Ein kritisches Essay gegen Verwischung der Liebe und Erotik in der Postmoderne
1. Einführung
Wir schauen heute die Privatisierung der Kultur und Zerstörung des öffentlichen Lebens zu. Obwohl das unser individuelles Leben direkt interessiert, übersehen wir viele Phänomene, die die Abmagerung der sozialen Beziehungen beeinflussen. Dass Freundschaftsbeziehungen oberflächlich werden, dass der alte literarische Inhalt der Liebe und Erotik sich verflüchtigt, die Langeweile, Einsamkeit und das Gefühl der Verlassenheit im Stadtleben weisen auf den Ankunftspunkt der Öffentlichkeit hin. Was ich hier in dieser Arbeit bearbeiten will, ist die letzt angekommene Phase der heutigen Kultur in Bezug auf Liebe und Erotik jenseits der alltäglichen Freundschaftsbeziehungen.
Man erlebt einen Abbruch oder eine Brechung zwischen Subjekten „ich“ und „du“. In der globalen Kultur verbrauchen immer mehrere Menschen ihre Zeit in Internet oder beim Fernsehen und sie ertrinken in der Welt der simulativen Hyper-Realität, die von diesen beiden Medienorganen geboten werden. Die Analysen der französischen Strukturalisten über Liebe verdeutlichen das Ende des Subjekts und des öffentlichen Menschen. Die dialektische oder wechselseitige Bindung zwischen dem Objekt und Subjekt der Liebe ist nicht nur ein Bestandteil im Alltag im idealistischen Sinne, sondern eine bedürftige, wichtige und indirekte Praktik, um Menschen verstehen, zuhören und mit ihnen zu sprechen. Das Phänomen, dass Menschen einander als Subjekt als auch als Objekt wahrnehmen, stimmt der Natur des Menschen überein. Diese Subjekt-Objekt-Beziehung verkörperlicht sich im öffentlichen Bereich und Raum in dem Sinne, dass sie sich selbst verwirklicht.
Die Abmagerung des innerlich-äußerlich dialektischen und flüssigen Gleichgewichts zwischen Individuen gebärt destruktive Resultate aus der Hinsicht der Individualität und Öffentlichkeit des Individuums. Die Praktiken und hauptsächliche Dynamiken, die die Destruktion der Individualität und Öffentlichkeit mitbringen können als Institutionen, Organisationen oder Veranstaltungen gezählt werden, die zwischen Individuen in der Kette der sozialen Beziehungen Filter und Zellwände aufbauen. In geschlossenen Räume Partys, Diskotheken, Bars werden Menschen von ihren Sozialisierungsmotiven zu hedonistischen Lustmaschinen transformiert, und zwar durch simulativen und hyper-realen Image-Verfälschung, wie man im Internet oder Fernsehen sieht.
In der Liebe und Erotik wie eigentlich alle Arten von sozialen Beziehungen reißt Institutionalisierung die Bindungen der Individuen an Überzeugtheit und Realität der alltäglichen Beziehungen, die zum alltäglichen Leben gehören. Liebe und Erotik werden nunmehr durch Exhibition zum Publikum in privatisierten Räumen und in bestimmten Zeiteinheiten komprimiert „erfahren“. Ein direkter Dialog unter den Menschen wird durch digitale und virtuelle Kommunikation ersetzt und Liebe und Erotik verwischen sich im Verlauf des Verfalls des öffentlichen Lebens. In diesem Text habe ich das Ziel, zu zeigen, wie dieser Prozess (des Verfalls) sich entwickelte und wie man dagegen kritisch sein kann.
2. Die Liebe der Liebe
Als Barthes und Derrida über die Liebe schrieben, erwähnen sie das Thema „die Liebe der Liebe“´. Bei der Liebe der Liebe bringen sie ein strukturelles Schema der Liebeshandlung hervor. Beim Ausdruck „Ich liebe dich“ befinden sich Liebesobjekt und Liebessubjekt in zwei verschiedenen Stellen nach diesem Schema und das Subjekt verbindet sich dem Liebesobjekt durch eine Art von Brücke. Die Stelle, voran die Liebe gebunden ist, ist das Subjekt selbst, sie gewinnt Wirklichkeit in zwei verschiedenen Sphären. Die erste davon ist das Liebesobjekt selbst und die zweite der Weg, der zum Liebesobjekt geht.
Nach der ersten Definition meint man mit „ich liebe dich“, dass das „ich“ das „du“ in seiner Subjektivität-Objektivität-Synthese liebt. Zum Beispiel x, y, oder z als das „du“. Das Liebessubjekt, das also jemanden liebt, könne hier die Liebe nur über die Existenzbedingung des Liebesobjekts verkörpern. Das Liebesobjekt sei eine hinreichende und notwendige Bedingung für die Verwirklichung der Liebe. Die Liebe gewinne ohne x, der liebt, und y, der geliebt wird, keine Realität.
Nach der zweiten Definition besitzt „Ich liebe dich“-Satz einen Liebesinhalt, in dem das Liebessubjekt sich um selbst dreht. Das Subjekt erreiche die Liebe über das Liebesobjekt. In diesem strukturellen Modell ist der fokaler Punkt der Liebe nicht die Person, die geliebt wird, sondern der Weg, der zu dieser Person geht. Der Fokuspunkt der Liebe sei die Brücke, die das Liebesobjekt mit dem Liebessubjekt verbindet. Liebe ist ein selbst-herstellendes, autopoietisches System. Gesicht des Subjekts sei zu sich gedreht. Wenn man sich mit dem Satz „ich liebe dich“ ausdrückt, dann meint man nicht, dass er die Person x, y oder z liebt, sondern dass er das Lieben und die Liebe selbst liebt. Über das Liebesobjekt kehrt er zu sich zurück.
Dass man das Lieben und die Liebe selbst liebt, heißt nicht, dass die Liebe völlig objektiviert wird oder dass die geliebte Person von der Bühne abgewischt wird. Denn sonst würde die Liebe ihre Bedeutung verlieren und wäre etwas anders als Liebe. Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Definition liegt nicht nur darin, dass in der ersten das Liebesobjekt die zweite Person und dass in der zweiten das Liebesobjekt die Liebe selbst wird. Die Differenz befindet sich bei unterschiedlichen Fokussierungspunkten der Liebe. In der ersten Definition ist dieser Fokuspunkt das „du“ als x, y oder y und in der zweiten Definition konzentriert sich auf die Liebe, Liebeshandlung, auf den von Liebe mitgebrachten inneren Glück, auf das Pathos, auf die Nichtachtung und Blindheit usw.
In beiden möglichen Liebesdefinitionen kann man nicht von einer stabilen Phänomeneinheit sprechen, weil die Veränderlichkeit der menschlichen Natur in Bezug auf Raum und Zeit die Person dazu abstoßt, anders zu denken, fühlen und handeln. Deswegen kann man diese zwei möglichen Definitionen nicht als absolute und feste Maßstäbe bei der Kategorisierung der Liebeswege annehmen. Dieselbe Person kann die Liebe in einer verschiedenen Zeit und in einem verschiedenen Raum anders verwirklichen. Diese Tatsache der Veränderlichkeit der menschlichen Liebe bezieht sich auf die Veränderlichkeit der menschlichen Natur in Raum und Zeit.
Obwohl eine kritische Haltung gegenüber diesen zwei möglichen Beschreibungen der Liebe aus einigen Schwierigkeiten besteht, wird sie uns hilfreich sein, den Hintergrund der Destruktion der Begriffe der Liebe und Erotik zu verstehen, deren Erosion durch Verfall des öffentlichen Lebens verwirklicht wurde. Die Liebesmotiven und die Differenzierung zwischen möglichen praktischen Konsequenzen der Liebesformen geben uns einige kritische Hinweise auf Liebesthema. Die oben erwähnte Differenzierung von zwei möglichen Liebesobjekten ist die Differenzierung der Liebesmotive des Subjekts. Da die praktischen Konsequenzen sich an einer anderen Stelle als Handlungsmotiven befinden, begegnen wir der Frage, inwiefern die Handlungskonsequenzen von Liebesmotiven anders werden oder sich davon differenzieren.
„Du x, y, z, ich liebe dich“-Ausdruck kann die liebende Person selbst ihren Liebhaber nur bis zu einer Grenze geben und es ist nur bis zu einem bestimmten Instanz im praktischen Sinne möglich, dass er mit seinem Partner eins wird und eine Einheit bildet. Denn obwohl die literarische Liebe die Einheit der einander liebende Personen idealisiert, ist eine exakte physische Einheit unmöglich.
Die Liebe als die Liebe der Liebe verschiebt sich auf ein egoistisches Personbild und eine ich-zentrierte Handlung. Im ersten Augenblick sieht das widersprüchlich aus, dass die Beziehung, die zwei verschiedene Subjekte auf einer gemeinsamen Ebene enthält, sich auf die Seite des Egos verschiebt, aber der fokale Punkt der Liebe verschiebt sich auf verschiedene Seiten innerhalb der zirkulären Natur der Liebe und es ist natürlich, dass diese Veränderung permanent vorläuft. Was unnatürlich wäre eine Untersuchung der Stabilität und Festigkeit in der Beziehung. Ich-Zentriertheit kann nicht nur in Bezug auf Liebe, sondern auch in Bezug auf allgemeine Beziehungen negative Konsequenzen für das Gegenstück gebären, aber es würde der Natur des Menschen widersprechen, ihn als absolut anders vorzustellen als ich-zentriert. Die Frage ist, wo man sich begrenzen „soll“.
Die wichtigste negative Konsequenz des Egoismus ist, dass der Gegenstück oder der Sprechpartner von diesem Egoismus geschadet wird. In dem Punkt, wo die zweite Person geschadet wird, taucht Egoismus als ein reales Problem auf. Auf einer Ebene, wo das Ich erhoben oder erhöht und das „du“ erniedrigt wird, wird die soziale Beziehung gefährdet, weil sowohl Freundschaft als auch Liebe und andere mögliche Beziehungsarten auf Gleichheit der Gesprächsgegenstände beruht. Eine Beziehungsart, in der das Ego sich auf eine hegemonische Stufe erhöht, kann Objektivierung der Subjektivität der zweiten Person heißen. Das kann heißen, dass man von der zweiten Person verlangt, seine eigene Selbstständigkeit, Eigenheit und Selbstheit verwischt und tilgt.
Zwischen diejenigen Personen, die einander lieben, gibt es subjektive und objektive Bindungen. Beide Seiten sehen einander als Objekt und Subjekt in einer gewissen Art und Weise. Aber es kann nicht nur für die Beziehung an sich, sondern auch für Liebespartner destruktive Folgen haben, dass die eine Seite reinen subjektiven und die andere sein objektiven Charakter gewinnt. Deswegen ist das möglich, folgendes zu sagen: Dass zwei verschiedene Personen, die miteinander kommunizieren, das Subjektivität-Objektivität-Gleichgewicht reziprok oder dialektisch nicht mitbestimmen, verhindert die Potenz der Konstitution einer Beziehung.
Im Beispiel von „Ich liebe dich“ widerspricht die Liebesart, die nur darauf basiert, die Erwartungen der anderen Person zu erfüllen und den Gegenstück nur als ein Liebesobjekt anzunehmen oder eine auf sich selbst über das „Lieben“ ausgerichtete Liebe zu idealisieren, zur Natur der Liebe. Aus einer Hinsicht ist die Liebe eine Art von Handlung, in der die Liebespartner subjektiv-objektive Werte dialektisch auf ein Gleichgewicht einsetzen. Mein Gegenstück ist mein Liebesobjekt, aber Objektivität dieser Person in meinem Auge ist nicht von der Art, in der sie die ihre Subjektivität tilgt, sondern diese Objektivität ist eher parallel gegenüber Subjektivität dieser Person. Dass ich meinen Liebhaber zu berühren oder küssen wünsche, taucht nicht nur wegen meiner Interesse in Liebe und Erotik an sich, sondern auch wegen meiner Liebe zu meinem Liebespartner. Wenn wir zusammenfassen, können wir sagen: Die Person, der ich „Ich liebe dich“ sage, ist nicht entweder ein Objekt oder ein Subjekt, sondern sie ist sowohl ein Objekt als auch ein Subjekt für mich. Diese Synthese von Objektivität und Subjektivität der Liebespartner macht die Liebe aus.
3. Innen-Außen-Beziehung im Raum
Weil die Liebe und Erotik in alltäglichen Handlungen und Fällen sich selbst zum Ausdruck bringt, können sie getrennt von Räumen und räumlichen Erlebnissen nicht gedacht werden. Dass die Liebe und Erotik in alltäglichen öffentlichen und individuellen Räumen einen Ausdruck finden, entsteht nicht wegen a priori räumlichen Charakteren dieser zwei Begriffe, sondern wegen Verkörpern der allgemeinen gesellschaftlichen Beziehungen in sozialen Räumen. Es ist relativ normal oder verständlich, dass eine Person, die ihr Leben in verschiedenen sozialen Räumen führt, die Liebe in denselben Lebensräumen erfährt.
Die eine wichtige Frage, die man in Bezug auf den Raum im Thema von Liebe und Erotik beantworten muss, ist, wo sich die Quelle dieser zwei Empfindungen und Erfahrungen befindet. Es ist ohne Zweifel so, dass die Liebe ohne ein Subjekt und Objekt nicht denkbar ist. Aber der Ort, in dem dasjenige Gefühl entsteht, sich verkörpert oder aufflammt, ist erst der Körper des Subjekts. In dieser Richtung spielt das Objekt eine sekundäre Rolle, weil die andere Person für das erste Subjekt bei der Ausrichtung des ersten Subjekts und in der Befriedigung von selbst eine äußerliche Existenz hat.
Das erste Subjekt wünscht, das Liebesobjekt oder das zweite Subjekt zu besitzen, sich mit ihm zu einigen und in Berührung mit ihm zu kommen. Hier gibt es eine dialektisch Bindung bei der Entstehung von dieser Bindung zwischen dem ersten und zweiten Subjekt. Denn bei der Entstehung des Gefühls und der Tendierung weder nur das erste noch nur das zweite Subjekt eine Rolle spielen. Entwicklung der Beziehung basiert auf wechselseitiger Beziehung der beiden Subjekte. Wenn man den Ausgangspunkt der Liebe als eine subjektive Empfindung und Erfahrung kuckt, sieht man, dass das erste Subjekt, also das „ich“ den Anfangspunkt der Liebeshandlung bildet. In diesem Sinne tendiert sich das „ich“ zu „dich“ und die Subjekte „ich“ und „du“ ernähren die Liebesbeziehung wechselseitig. Man kann also sagen, dass die Liebe und Erotik, die ein Unterteil von Liebe ist, sich von innen nach außen richten.
Die flexible und flüssige Natur der Liebe und Erotik und der allgemeinen sozialen Beziehung kann diese Innen-Außen-Dialektik in Widerspruch ziehen. Obwohl es sinnlos wäre, zu erwarten, dass ohne die erste Erregung in der Liebe und Erotik auftauchen, wäre es auch nicht realistisch zu denken, dass das Gefühl absolut durch sich selbst entsteht. „Der Moment“ und „die Zeit“, in denen die erste Erregung für die Liebe und Erotik zwischen Innen- Außen und Ich-Du entstehen, sind solche Begriffe, deren Grenzen wegen der beweglichen Natur der Dynamiken von Liebende und Geliebte, Erregende und Erregte, Wünschende und Gewünschte sehr schwierig auszuzeichnen sind.
Die Frage über die Quelle der Liebe und Erotik beim Menschen führt uns zur Beziehung zwischen Subjekt und Objekt in der Analyse über „die Liebe der Liebe“ zurück. Dass die liebende Person oder das erste Subjekt apriorisch die Liebe und Erotik selbst liebt und vor der sozialen Kommunikation durch dieses Motiv handelt, betont, dass die Liebe zuerst von dieser ersten Person ausgeht. Aber in einer Beziehungsart, in der die liebende Person der fokale Punkt der Liebe wird, tauchen äußerliche Erregung und eine Äußerlichkeit in die Bühne ein, in der die ganze Aktion nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen vorläuft. Für die Dauer der Beziehung ist die dialektische (von innen nach außen bezogene) Reaktion dieser Erregung von außen nach innen notwendig. Der wichtige Punkt ist, dass beim Thema Liebe eine wechselseitige Aktionsketten sowohl von außen nach innen als auch von innen nach außen entsteht und dass der ganze Prozess sich in einer permanenten Dynamisierung befindet
4. Von Mensch-Mensch-Beziehungen zu Raum-Mensch-Beziehungen
Der hauptsächliche Stützpunkt der Liebe, Erotik und der anderen alltäglichen Beziehungen ist, dass Individuen mit den anderen zusammen durch eine wechselseitige Beziehung eine gewisse Gesamtheit von Erfahrungen und Tatsachen erleben. Nach der alten, klassischen oder nach meiner eigenen idealistischen Definition sind die verbalen und nonverbalen Kommunikationsarten für die Verwirklichung der Liebe und Erotik eine Vorbedingung. Damit will ich folgendes betonen: Die Vereinseitigung, also die Dominierung der Tendenz der Beziehungsrichtung von außen nach innen oder von innen nach außen, weist in dieser dialektischen Ebene der zwischen Innen und Außen auf die Abmagerung des Charakters der Beziehung hin.
Eine Beziehung unter Mitmenschen differenziert sich von einer Beziehung oder von einer Kommunikation zwischen dem Raum und dem Menschen. Obwohl man von einer lebendigen, dynamischen, flüssigen, beweglichen und stark dialektischen Beziehung, in der Kommunikation unter Menschen sprechen kann, wird die Dialektizität der Beziehung zwischen einem Raum und einem Menschen schwächer. Denn die Natur des Raums ist nicht lebendig und subjektiv und kann auch nicht lebendig und subjektiv sein. Der Raum kann einfach wegen seiner unlebendigen Natur kein Subjekt werden. Der Raum kann nicht Subjekt werden, aber er kann subjekt-ähnlich gemacht werden. Man kann einen Raum durch Image, Zeichen, Simulationen und andere visuelle Spielen subjektiv scheinen lassen. Aber dieses Imagespiel macht den Raum nicht ein Subjekt, sondern er wird nur subjekt-ähnlich. Von seiner Natur her kann der Raum sich selbst autopoietisch wie bei Menschen nicht herstellen oder aktualisieren. Er kann aber scheinen, autopoietische Aktionen zu führen. Dem Raum kann man eine scheinbare Geschwindigkeit oder Zirkularität durch einige Lichtspiele, durch die Dekoration, Musik und andere visuelle Elemente einflößen und diese dekorative Veränderungen kann ein künstliches autopoietisches Image des Raumes im Auge des Menschen konstituieren. Aber das Image kann nie die Grenze von Realitätsähnlichkeit in die Realität überspringen.
In der postmodernen Welt spielt man mit der Wahrnehmung des Menschen durch Medien und Organen der Massenkommunikation, man produziert neue künstliche Images durch Simulationstechniken und man konstituiert eine Hyper-Realität, wie Jean Baudrillard in seiner Theorie über Simulacrum und Simulation erwähnt. Dass der Raum eine „Geschwindigkeit“ und „Wärme“ gewinnt, sich dynamisiert, lebendig wird und letztendlich sich subjektiviert, sind Beispiele dafür, dass man eine Hyper-Realität durch visuelle Spiele in Zusammenhang von der Identität des Raumes herstellt. Diese „Vermenschlichung“ und Subjekt-Werdung des Raumes stoßen Menschen ab, dass Hyper-Reale wie das Reale selbst wahrzunehmen und dass sie Hyper-Realität mit der Realität vertauschen.
Es gibt kein Zweifel daran, dass dieser Erfahrungsmechanismus sich verbreitet hat, weil er im freien liberalistischen Markt Ankäufer gefunden hat. Viele Menschen gehen in Unterhaltungsorten, um sich auszuruhen, Spaß zu haben oder sich von alltäglichen Problemen der Arbeit zu entfernen. Die dunkle Atmosphäre, sich ständig bewegende, Farbe ändernde Lichter, sehr laute, Rhythmus dominierte und aus melodischen Wiederholungen bestehende Musik und daneben die Shows von erotischen Tänzerinnen oder Tänzer, theatralisches Design von Striptease und Tanzböden, Drogen- und Alkoholaufnahme in Diskotheken und Bars sind sehr gute Beispiele dafür, dass man in solchen Rahmen Unterhaltung mit Realitätsentfernung und die Realitätsentfernung mit Rutsch in die Hyper-Realität identifiziert.
Man versucht, ein natürliches Bedürfnis wie Ausruhen in solchen Unterhaltungsorten in ein hedonistisches Lustgefühl zu verändern. Man entfernt sich von Realität durch den Theater-ähnlichen Mechanismus in dem Raum, in dem er einen halb hyper-realen Akteur spielt. Man identifiziert also das Entfernen von Langeweile und Probleme des Alltags mit Hyper-Realisierung der wahren Realität. Bühne-ähnliches Design von Tanzboden, direkte Ausstellung der Erotik beim menschlichen Körper, dass die laute Musik den Mensch zwingt, sich zu bewegen, verbindet man mit Lichtspielen und man verändert damit die Imagewelt der Person und Imagerutsch einigt sich mit Erfahrung der Lust. Kurz gesagt: Dass Hyper-reale- und Science-Fiction-Produkte im Fernsehen sich nur auf Visualität bezieht, verändert sich in eine „echte“ und hyper-reale Erfahrung in Diskotheken.
Die „hyper-reale“ oder künstliche/“gemachte“ Lust, die von Akteur-Sein in hyper-realen Szenarios kommt basiert auf der Kommunikation zwischen Raum und Mensch. In sozialen menschlichen Beziehungen spielt der Gesprächsteilnehmer eine aktive Rolle in der Kommunikation, aber in Raum-Mensch-Kommunikation wird der Mensch in eine passive Lage abgestoßen. Was er macht, ist die Gebote, die er für sich passend oder gut findet, unter Erregungsbombardierung des Raums auszuwählen. Die Balance, die der Raum auf dem Mensch ungerecht und ungleich konstituiert, wird das Individuum zum Konsum gezwungen und in der künstlichen „Lebendigkeit“, im Geist, und in der künstlichen Subjektivität des Raums geschmolzen. Der Raum konstruiert eine Subjekt-Hegemonie auf dem Individuum und das Subjekt des Raums beherrscht das Subjekt des Individuums. Die dialektische Gleichberechtigung, die in sozialen Beziehungen herrscht, nimmt einen total oppositionellen Charakter in der Beziehung zwischen Raum und Individuum an. Das Individuum hat keine Bestimmungskraft an Raum, aber der Raum gründet eine Beherrschung über das Individuum.
Das Individuum, das der Hegemonie des Raums begegnet, wird in Bezug auf Kommunikation durch sein passives Verhalten gegenüber dem Raum nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen hedonistisch angegriffen. Deswegen wurde das reziproke Gleichgewicht zwischen Innen und Außen in sozialen Beziehungen durcheinander gebracht. Die Dialogen, die in lauter Musik nur aus einpaar Sätzen bestehen verhindert den sozialen Kontakt der Individuen untereinander. Disco-Kultur reißt die Zwischenmenschlichkeit der Beziehung von Kommunikation ab und er trägt das Kommunizieren auf die Ebene von Raum-Mensch. Sie zwingt also die Menschen, mit den Gegenstände zu kommunizieren, die nicht lebendig sind, aber das Image der Lebendigkeit tragen. So zerstört man das Verständnis der Öffentlichkeit des Menschen in diesen „sozialen“ Räumen, die „Unterhaltungsorten“ heißen.
5. Die kolonisierte Liebe und Erotik in dem Raum
Der Prozess von Verfall des öffentlichen Menschen erlebt hier seine ersten Phasen und läuft mit der Ausstellung der Liebe und Erotik in selben Räumen weiter. Die räumliche Membranen werden dadurch verbreitet, dass der menschliche Körper und deren „geheime“ Teile in Striptease und Erotikshows ausgestellt werden. Erotik ist nicht mehr, das Versteckte und das Verheimlichte zu individuell zu erleben, sondern es ist nunmehr das massive Zuschauen des Ausgestellten vom Publikum. Eine Unterhaltungsart, die die Berührempfindung anspricht, die aber auf Visualität begrenzt ist, nimmt eine ziemlich passende Position in der visuellen Hyper-Realität an, weil die Erotik die zwei Hauptkomponente, nämlich das Sehen und das Berühren , die sein Selbst bilden, in zwei Stücke teilt. Das Publikum „müsse“ sich mit dem Sehen „begnügen“.
Aus einer weiteren Hinsicht widerspricht die öffentliche Ausstellung der Erotik im menschlichen Körper der Natur der Erotik. Das rührt vom eigenen Charakter des Ausstellens her. Erotik beendet sich an der Stelle, wo sie ausgestellt wird, weil Neugier taucht dort auf, wo die Lust oder das Lustobjekt verheimlicht wird. Aber öffentliche Ausstellung des gewünschten Objekts oder des geheimen Körperteils stellt es wie ein Wissensobjekt aus und das entzaubert es.
Der dritte, letzte und vielleicht der größte Widerspruch von Striptease ist, dass Striptease-Tanz und -Club sich selbst mit der Erotik identifiziert und dadurch der „geheime“ Teil des Körperteils eines Menschen von anderen Mitmenschen in einen bestimmten Raum „inhaftiert“ wird. Räumlich-Werdung der Erotik findet ihre destruktiven Implikationen darin, dass Menschen ihre Überzeugung davon verlieren, dass sie die von Striptease oder Pornographie idealisierte Erotik erfahren oder erleben können. Dass die Hyper-Realität der Pornographie als die Realität ausgestellt wird, bringt das den Widerspruch mit, dass man die hyper-reale oder pornographische Erotik als die reale Erotik wahrnimmt und diese beiden Erotiktypen miteinander vertauscht. Dass die Hyper-Realität genauso wie die Realität selbst ausgestellt wird, bringt den Widerspruch der Erotik in der Realität mit dem Szenario der hyper-realen Erotik mit. Im Auge der Striptease-Zuschauer schmelzen Hyper-Realität und Realität ineinander und in manchen Punkten tritt die Hyper-Realität in Vordergrunde. Diese Realitätsverwischung kann wegen Vorbedingtheit der alltäglichen Fehler, Erfolglosigkeiten und Probleme in der Liebe, Erotik und in allen anderen sozialen Beziehungen destruktive Folgen haben.
Die Menschen, die die Hyper-Realität innerhalb der Realität untersuchen, verlieren ihre Fähigkeit zur Toleranz, zum Verständnis gegenüber und zur Dialogbildung mit anderen Menschen. Deswegen besteht der Vertausch der Realität mit Hyper-Realität aus Probleme, weil die Menschenbeziehungen in der hyper-realen Welt alle Fantasiearten abstrakte Vorstellungen leicht formieren kann. Aber menschliche Beziehungen in der realen Welt haben keine Flexibilität wie in der hyper-realen Welt. An dieser Stelle bekommt der öffentliche Mensch einen großen Schlag. Die Erotik verschiebt sich von der Öffentlichkeit in die Institutionalität. Die Liebe, die in der simulativen und hyper-realen Welt idealisiert wird, findet Erfahrungen, die man in der realen Welt erlebt, als „ungenügend“, schwach und „unüberzeugend“. Die Ich-Du-Beziehung lässt ihren Platz zu Images, Simulationen, die zugeschaut werden, und zur Hyper-Liebe, die in der Hyper-Realität idealisiert wird.
Bei der Destruktion des öffentlichen Menschen eins der wichtigsten Mittel ist das Internet. Obwohl das Gebiet, in dem der Pornographiesektor sich am meisten entwickelt, das Internet ist, ist auch die Liebe ein Internetsektor geworden. Internetseiten, die den Dienst für Dating, Friendship, Flirt, Treffen und Partnerfinden geben, sind Beispiele für den virtuellen Liebessektor. Menschen halten sich nunmehr zurück, direkte soziale Kontakte in ihrer Umgebung zu bilden und unmittelbar zu kommunizieren. Sie können eine gewisse Menge Geld dafür bezahlen, um einen Partner über virtuellen Networks zu finden, statt mit ihm in realen Orten zu sprechen. Genauso wie man stundenlang mit seinen Freunden Chat macht, statt mit ihnen direkt zu sprechen, oder wie die Menschen, die ihren Freunden einen digitalen Weihnachtsbaum über Facebook schenken, statt ihnen eine Postkarte zu schicken, gibt es Millionen von Menschen, die vorziehen, den Liebespartner über Internetseiten wie (www.ilove.de) zu suchen, weil sie ihre Gefühle demjenigen nicht öffnen können, den sie mögen. Der Abbruch der sozialen Bindung ist dadurch entstanden, dass die liberale Marktwirtschaft privatisierte Sektoren zwischen Menschen konstituiert. Menschen bezahlen Geld zu einigen Institutionen, Organisationen oder Veranstaltungen, um einander kennenzulernen oder miteinander in Berührung kommen zu können. In diesem Zusammenhang ist das gar nicht erstaunlich, dass man Flash-Dating-Partys in Diskos und Bars organisiert. Die Liebe und Erotik haben durch den Verfall des öffentlichen Menschen ihre private Sphäre und Subjektivität verloren. Durch den Eingriff der Institutionen und Organisationen in die sozialen Beziehungen zwischen Menschen wurden beide Begriffe dekonstruiert. Die Liebe und Erotik wurden in die Ketten der Institutionen geschlagen und das Individuum wird jetzt abgestoßen, diese Institutionen für seine soziale Beziehungen zu bedürftigen. Es ist für die neue Generation ein Satz, der lieber in der digitalen Welt zum Ausdruck gebracht wird, „Ich liebe dich“ zu sagen, weil jetzt statt Menschen die Institutionen reden. Die Liebe und Erotik, die ihr Ende mit dem Verfall der Öffentlichkeit erreicht, kann nur dann wieder möglich gemacht werden, wenn man versucht, sich selbst in Liebe, Erotik und in anderen sozialen Beziehung „selber“ zu verwirklichen und nicht mit Hilfe irgendwelcher äußerlichen Kräfte. Wenn es wirklich ein Hoffnungslicht für die Liebe und Erotik gäbe, wäre das, dass man zuerst bewusst wird, dass die eigenständige Identität der Menschen in den sozialen Beziehungen von primärer Natur ist und dass Institutionen und Organisationen diese soziale Beziehungen zerstören. Diese Kulturkritik, die den Interessen der liberalistischen Marktwirtschaft widerspricht, wird ihre Gültigkeit erhalten bleiben, bis die Ausrichtung der kapitalistischen Wirtschaft gegen Menschen funktioniert und die Individuen zur Einsamkeit, Depression und Gewaltanwendung führt.